Triathlon in Roth – 5000 Verrückte am Start

Triathlon

#016 – Triathlon in Roth

5000 Athleten gehen kommenden Sonntag an den Start zur Challenge Roth mit 3,8km schwimmen, 180km radeln und 42,2km laufen. 3200 Einzelstarter und 600 Staffeln werden angefeuert, bewundert und bejubelt von vsl. 300.000 Zuschauern. Es ist die größte Triathlon Veranstaltung weltweit und kann nur in Teilen von der Weltmeisterschaft auf Hawaii überboten werden.

Shownotes:

 

Die ersten Raketen schießen krachend in die Luft, tausende zünden Wunderkerzen an und ein Lichtermeer durchdringt das Stadion. Die Laserspots tanzen wie wild in der Menge. Die theatralische Musik durchströmt meinen Leib und der letzte Athlet wird euphorisch angekündigt und quält sich die letzten Meter über den roten Teppich ins Ziel. Die Finishline wird geschlossen. Männer und Frauen haben Tränen in den Augen. Es ist die allübergreifende Freude, die sich ausbreitet und alle Anwesenden infiziert. Ich stehe mitten drin und staune.

Feuerwerk der Gefühle!

Wie geil ist das denn!

Der bereits gefasste Beschluss ist nun definitiv endgültig gefasst. Nächstes Jahr will ich dabei sein und zwar nicht mehr als Zuschauer. Am nächsten Morgen hol ich mir den Startplatz für meinen Triathlon 2017 und fahre geflashed nach Hause.

Das ganze liegt jetzt ein Jahr zurück. Es war die Abschlussfeier zur Challenge Roth 2016, die mich total fasziniert hatte. Es war das I-Tüpfelchen nach einem sensationellen Tag als Zuschauer und Supporter.

Keinen Bock mehr auf Support

Jetzt ist es noch eine Woche, noch sieben Mal schlafen und schwups ist das Jahr rum und ich stehe um 6:30 an der Startlinie. Triathlon Fieber macht sich breit. Allein beim Gedanken werde ich schon nervös. Die Vorspannung hat sich bereits in den letzten Tagen überall ausgebreitet. Jeden Tag check ich mein Rad, baue noch den Trinkflaschenhalter um und den Pumpenhalter weg. Soll ich noch einen zweiten Schlauch mitnehmen? Herrlich. Ich liebe das.

Ich liebe diese Spannung. Viel ist nicht mehr zu tun, in dieser letzten Woche außer regenerieren, essen, trinken und natürlich den Wettkampf mental vorzubereiten. Das Training ist vorbei. Die letzten beiden Wochen nennt der Triathlet Tapering. Hier gehts drum, den austrainierten Körper in Wettkampfhöchstform zu bringen und zwar auf den Punkt.

Ich bin dabei! Triathlon Roth – ich komme!

Ein halbes Jahr habe ich mich vorbereitet. Herausgekommen sind 50km schwimmen, 4000km radeln und 560km laufen. Dazu ein halbes Stünderl Krafttraining pro Woche macht ca. 9 Stunden pro Woche.

Januar und Februar waren eher gemütlich. Ab März habe ich intensiv mit dem Training begonnen und hatte über die letzten vier Monate im Schnitt 12h pro Woche an Umfang. Hinzu kommen um die vier Stunden Vorbereitung, Nachbereitung, Fahrt zum Bad usw.

Eine typische Woche bestand grob aus je zwei Mal schwimmen, radeln und laufen, aufgeteilt in einmal Intervalle und einmal eine lange Ausdauereinheit. Das macht sechs Einheiten um die 10-12h.

Mitte März war ich eine Woche auf Fuerte Ventura im Trainingslager und Anfang April ging es eine Woche nach Mallorca. Beide Termine waren klasse und hatten einen riesigen Trainingseffekt. Zusammen mit Gleichgesinnten tagsüber zu sporteln um sich abends dann den Bauch voll zuschlagen macht richtig Laune. Anfang Juni ging es dann mit Familie an einen See im Trentino, wo ich auch nochmal viel radeln und schwimmen konnte.

Die richtige Orga ist das A und O

Wichtig ist, die Triathlon Einheit entspannt zu starten und zu beenden. Also kein:

  • schnell in der Mittagspause zum Schwimmbad hetzen und mangels Zeit aufs Essen verzichten
  • nach der Arbeit sofort auf den Renner und nachher ungeduscht hektisch Essen für die Kids vorbereiten
  • beim Laufen mit dem Handy auf Standby sein, weil noch jemand Wichtiger anrufen wollte

Die optimale Einheit

  • Fünf Minuten vorher mental einstellen. Wichtigste Frage: Was ist das Ziel dieser Einheit? Und immer nur EIN Ziel pro Einheit wählen.
  • Einheit mit Spaß absolvieren. Unterwegs nicht das komplette Ziel ändern und aushalten, wenn es nicht ganz so läuft wie geplant.
  • Jedoch nicht starr den Plan verfolgen, sondern wach bleiben und Ziele eventuell anpassen.
  • bei Rückkehr: ausschwitzen, stolz sein auf das Geleistete und die einkehrende Ruhe des Körpers genießen, vielleicht einen Recovery-Shake trinken und die Daten ins Tagebuch eintragen
  • duschen und auf der Couch 15 Minuten chillen

Für das Training beim Triathlon ist einiges im Vorfeld zu organisieren. Ich habe mir das Commitment meiner Frau und meines Arbeitgebers eingeholt. Das ist mehr als nur ein „GO“ oder eine Erlaubnis. Commitment wird mit Engagement übersetzt. Zu diesem Thema gibt es einen tollen Blogartikel sowie einen hörenswerten Podcast auf der Seite meiner Frau Melanie. Reinschauen und v.a. hören lohnt sich 🙂

Faule Kompromisse für die Beziehung? Kein Sport ist auch keine Lösung!

Neben dem sportartspezifischen Training, also schwimmen, radeln und laufen, gibt es noch einiges anderes zu tun.

Nie wieder Fitness-Studio

Krafttraining ist ja sooo wichtig. Ja, ich weiß das und deswegen macht es mir nach wie vor keinen Spaß. Top ambitioniert bin ich dann bereits im November in das Fitness Studio direkt neben meiner Arbeit. Praktisch wars auch noch und der Trainer war super nett und extrem kompetent. Beste Voraussetzungen möchte man meinen. Ich mach es kurz: Ende Dezember war Schluss.

Ich war, bin und bleibe Outdoormensch.

So bleiben Powerbands und ein Zugseil alles, womit ich gelegentlich arbeite. Burpees und planks vs. Sonnengruß und Liegestütz/Strecksprung. Egal welchen Namen Du dem Kinde gibts, ich halte viel davon und bewundere jeden, der das regelmäßig macht. Eine dauerhafte Freude damit, hat sich bei mir noch nicht eingestellt. Ich bleibe dran!

Du bist was Du ißt und umgekehrt

Die Ernährung ist ein Schlüssel für einen leistungsfähigen Körper – nicht nur am Wettkampftag sondern vor allem im Training. Ich habe einiges umgestellt und neben den üblichen Weisheiten, wie frisches Obst und Gemüse, weniger/kein Alkohol, viel Wasser trinken usw. habe ich paar coole Dinge herausgefunden.

Der Smoothie am Morgen macht mich wach und munter

Meiner heißt „Der Muntermacher“ und ich verwende dazu zwei Äpfel, ein Stück Ingwer, kleines Stück Salatgurke, kleines Stück Zucchini, drei große Spinatpellets, a bisserl Lauch und zusammen mit viel Wasser,  Fruchtsaft und einigen Eiswürfeln wird das ein kalter, frischer und grüner Drink. Lecker.

Mit diesem Getränk spül ich gleich mein Vitamin C und viele extra Mineralien runter.

Danach gibts den „Durchstarter„, einen Pulvercocktail aus Vitaminen, Mineralstoffen, Kräutern, Ballaststoffen und Eiweiß, den ich mit eiskaltem Wasser anrühre und in einem Zug trinke. Durch die Flohsamen dickt das Zeug schnell ein und breiig mag ich es dann nicht mehr. Mit diesem „Frühstück“ halte ich locker bis Mittag durch. Da gibt es einen frischen Salat und abends koche ich gerne Nudeln- und Reisgerichte.

Nach einem intensiven Training trinke ich gerne einen Eiweiß/Kohlenhydrat-Shake. Ich liebe den Raspberry Cooler Recoverydrink von Powerbar. Ein paar Eiswürfel dazu. Super, wenn das nützliche Zeugs auch noch lecker schmeckt!

Ernährung ist super individuell und jeder hat seine eigene Philosophie. Ob vegetarisch, vegan, laktosefrei, wenig Kohlenhydrate, wenig Fett, wenig oder viel von was auch immer. Das Wichtigste bleibt:

Probier aus, was Dir gut tut!

Ich bin durch meine geänderte Ernährung deutlich fiter geworden. Meine Wahrnehmung ist schärfer und ich habe kaum noch Infekte. Rundherum zufrieden und das Zaubermittel, um das Sixpack freizulegen, finde ich auch noch 🙂

Oft werde ich gefragt, ob ich beim Triathlon nach einem festen Plan trainiere und die Antwort lautet:

Plan? Ja, aber…

Natürlich habe ich einen Plan. Mein Erfahrung aus vielen Jahren Sport, die Informationen aus Zeitschriften, Youtubevideos, Foren und der Austausch mit Freunden, die sich ebenfalls sehr gut auskennen haben einen Masterplan entstehen lassen. Es kann keinen einheitlichen Plan geben, da wir alle so unterschiedlich sind und oft völlig verschiedene Vorraussetzungen haben. Körper, Geist, Umfeld, Familie, Arbeit, Material, Lebensraum – alles Faktoren, die eine Rolle spielen. Fertige Trainingspläne von der Stange können immer nur einen Anhaltspunkt geben.

Mein spezieller Plan unterliegt zudem permanenter Abgleichung mit dem aktuellen Trainingszustand und dem körperlichen und geistigen Empfinden. In den letzten Monaten habe ich mich zudem wöchentlich mit einem Experten ausgetauscht. Viel Energie ist hineingeflossen und daher ein klares JA, ich habe einen Plan – im Kopf. Daraus entsteht dann in Abgleich mit privaten und geschäftlichen Terminen, dem Wetterbericht und den sonstigen Themen eine konkrete Aktionsliste. Länger als vier Wochen plane ich das Training grundsätzlich nicht voraus.

Wer einen Plan hat, der hat auch Ziele!

2012 habe ich meine erste Langdistanz in Roth mit 11:13:48 absolviert. Meine Ziele damals: Finishen und wenns irgendwie geht unter 10h bleiben. Im Ziel bin ich angekommen doch die Zeit war bei weitem nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war ein irres Erlebnis. Sensationell. Und ich wußte, da geht noch mehr.

2015 dann die Teilnahme am Ironman Lanzarote, dem vermutlich weltweit härtesten Triathlon auf der Langdistanz. Meine Ziele damals: Dabei sein, im Ziel ankommen, Freude und Spaß am gesamten Tag, den Marathon laufen (kein Wandertag) und gewünscht habe ich mir zudem, meine Frau im Ziel zu umarmen. Die Vorbereitung lief auf Sparflamme, zu viele andere Themen, die wichtig waren.

Doch was soll ich sagen? ALLE Ziele erreicht. Es war eines, meiner prägendsten Erlebnisse überhaupt. Nach fast 14 Stunden bin ich überglücklich über die Finishline gelaufen und wer stand da? Mein Frau Melanie und hat mich umarmt. Das war der absolute Hit.

Tags drauf war die offizielle Vergabe der Startplätze für Hawaii und da hatte ich sie plötzlich – diese magische und verrückte Idee bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Sofort fing mein Kopf an zu rattern. Drei Jahre werde ich mindestens brauchen, um fit genug für die Qualifikation zu sein. Warum also nicht 2018 auf Lanza mir einen Slot holen? Eine irre Herausforderung und probieren geht über studieren. Teil des großen Plans war dann die Teilnahme beim Triathlon in Roth 2017. Ein Test, wie mein Körper mit dem Training klarkommt und wie lange ich den Fokus auf dieses Ziel halten kann. Viele Fragen und natürlich die Kernfrage:

Welches Ergebnis erziele ich mit dem Training der letzten Monate. Dann kann ich abschätzen, wieviel noch zu tun ist und ob das bis 2018 machbar ist. Vielleicht mache ich auch eine Triathlonpause und reiß nochmal in fünf Jahren in der Altersklasse Ü50 an? Ich werde sehen.

Warum das Ganze?

Eine mir häufig gestellte Frage. Für viele ist nicht nachvollziehbar, warum jemand soviel Stunden trainiert, was soll toll an dieser Veranstaltung ist, was das Besondere am Triathlon ist und wie ein Mensch sich, zumindest aus deren Sicht, so viele Stunden quälen kann. Dabei ist die Antwort so einfach:

Weil es Spaß macht!

Und diese Antwort wirft die nächste Frage auf: Was macht daran Spaß?

Mir gefallen die drei Sportarten. Ich schwimme gern, am liebsten im Meer. Ich radle gerne, am liebsten in den Alpen und ich laufe gerne, am liebsten im Wald. Da bietet sich der Triathlon förmlich an.

Und darum freue ich mich schon riesig auf kommenden Sonntag. Es wird gigantisch. Ich kann jedem nur empfehlen, sich den Spirit zu geben. Hautnah mitfiebern beim Schwimmstart um 6:30 in der Früh, danach in den Menschenmassen am Solarer Berg eintauchen, um dann in Roth das Laufspektakel und das Finish der Besten zu feiern.

Ich freue mich über jeden Supporter. Wer mich online verfolgen will, hier geht es zur Starterliste. Mit meiner Startnummer 599 findest Du die aktuellen Infos. Meine Startzeit 6:45.

Eine kleine Überraschung habe ich mir übrigens noch fürs Laufen aufgehoben, doch dazu mehr in einer Woche.

Herzlichst Euer Andi

 

 

 

Posted on 2. Juli 2017 in Allgemein

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